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#Community #Kultur

Der Tanz, den ich vor fünf Jahren getanzt habe

Hai-Yen Van, B-MINT-Alumna

Ich stehe seitlich an der Bühne des Steintor-Varietés in Halle (Saale), wo ich den größten Teil unserer Jubiläumsshow verbringe, als aus den Anlagen die ersten Takte eines Lieds kommen, das meinen Körper sofort zu vertrauten Schritten verleitet. Es ist die Musik zu "Closer", einem der allerersten Tänze, die es im Tanzatelier YUNA gab, damals noch von mir selbst getanzt, mit 17 Jahren in unserer alten Teens-Gruppe, kurz nachdem unser Verein gegründet worden war.

Auf der Bühne stehen nun die Teens von heute, elf bis achtzehn Jahre alt; einige von ihnen gingen zur Vereinsgründung im Winter 2021 noch in die Grundschule. Ihre Choreografie greift Elemente des damaligen Tanzes auf, die ich sofort wiedererkenne: Ich weiß genau, welcher Schritt als nächstes kommt, noch bevor ich ihn sehe. Ich stehe im Dunkeln neben der Bühne und tanze im Kopf mit.

Ihre Trainerin verrät mir später, dass sie diese Passagen anhand einer alten Videoaufnahme eines unserer damaligen Auftritte rekonstruiert und beim Abnehmen der Choreografie vor allem mein jüngeres Ich als Vorlage genutzt hat. Das hat mich sehr berührt.

Fünf Jahre, fünf Teile

Unser Verein Tanzatelier YUNA e.V. wurde am 12. Februar 2021 in meiner Heimatstadt Halle (Saale) gegründet, mitten in der Pandemie, von einer Gruppe leidenschaftlicher Tänzerinnen, die schon lange zusammen getanzt hatten und nun ihren eigenen Raum schaffen wollten. Fünf Jahre später zählen wir 152 Mitglieder, mit sieben Kindertanzgruppen, zwei Jugendgruppen, vier Erwachsenengruppen und einem Homeworkout-Angebot, das von Achtzehn- bis Einundachtzigjährigen genutzt wird.

Zum fünfjährigen Jubiläum haben wir am 6. Juni 2026 zwei Aufführungen vor insgesamt rund 900 Zuschauer:innen gespielt. Auf der Bühne standen 131 Tänzer:innen im Alter zwischen drei und vierzig Jahren, hinter der Bühne halfen 43 Menschen mit, überwiegend Eltern und Freund:innen. Konzipiert, choreografiert und organisiert hat das Ganze ein Team von zehn Personen, vollständig ehrenamtlich, neben Schule, Studium und Beruf.

Diese Show trug den Titel "Step by Step" und war in fünf Teile gegliedert, einen für jedes Jahr seit unserer Gründung. Wir haben neue Choreografien gezeigt, aber eben auch alte wieder aufgegriffen und teils an jüngere Gruppen weitergereicht. Dazu liefen im Hintergrund Foto- und Videoaufnahmen von früher.

Ein fünf Jahre alter Verein hat schon ein Gedächtnis

Als wir 2021 angefangen haben, gab es nichts weiterzugeben. Es gab uns, ein paar Gruppen und einen Saal, und alles, was wir taten, taten wir zum ersten Mal. Fünf Jahre später gibt es dagegen eine Menge, das wir teilen können: Tänze, Musik und Erinnerungen von denen, die von Anfang an dabei waren.

Zum Einstudieren sind Ältere zu den Jüngeren ins Training gekommen, um zu zeigen, wie die Schritte gehen. So ist zwischen Gruppen, die sich sonst nur vom kurzen Sehen kennen, weil sie an verschiedenen Wochentagen trainieren, über die gemeinsamen Trainingstage und -wochenenden etwas entstanden, das sich im normalen Wochenbetrieb kaum herstellen lässt.
Für mich bedeutet das vor allem eines: Weitergeben ist nicht bloß Nostalgie und auch kein netter Zusatz zum eigentlichen Vereinsleben. Es ist das, was einen Verein unabhängig von einzelnen Personen ausmacht. Wenn eine Generation von Tänzer:innen irgendwann aufhört, geht das, was sie aufgebaut hat, nicht mit ihr verloren. Ehrenamt wird meistens als Einzelleistung erzählt: Jemand engagiert sich, jemand opfert Freizeit, jemand hält etwas am Laufen. Tatsächlich ähnelt es viel eher einem Staffellauf. Entscheidend ist nicht, wer wie schnell läuft, sondern ob die Übergabe gelingt und ob jemand da ist, der den Stab annimmt.

Step by Step

Der Titel war zuerst vor allem ein Wortspiel: die Schritte, die wir Woche für Woche im Tanzsaal lernen, und die Schritte, die wir als Verein seit 2021 gegangen sind. Seit dem 6. Juni lese ich ihn ein wenig anders. Die rund 900 Menschen im Saal haben an diesem Tag einen Abend gesehen; was sie nicht gesehen haben, sind fünf Jahre aus lauter kleinen Entscheidungen von Menschen, die hauptberuflich alle etwas ganz anderes tun.

Wenn Sie also das nächste Mal in einem Vereinssaal sitzen, bei einem Chorkonzert oder einer Schulaufführung, dann ist die spannendere Frage vielleicht nicht, wie gut das war, sondern wer hier gerade wem etwas übergibt und ob jemand da ist, der es annimmt.

Die Claussen-Simon-Stiftung hat die Produktion über eine Mach den Unterschied!-Engagemenetförderung unterstützt und diese Show damit überhaupt möglich gemacht. Dafür herzlichen Dank.

Fotos: Lars Grimmer

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